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Milwaukee Brewers sind World Series Champion 2026: Die Geschichte eines historischen Titels

Milwaukee Brewers sind World Series Champion 2026: Die Geschichte eines historischen Titels

Am Abend des 28. Oktober 2026 ist in Milwaukee etwas passiert, worauf eine ganze Stadt 44 Jahre gewartet hat. Die Milwaukee Brewers haben die Tampa Bay Rays im fünften Spiel der World Series mit 4:1 geschlagen und damit die Serie mit 4:1 gewonnen. Es ist der erste Titel in der Geschichte der Franchise und der erste Meistertitel für die Stadt seit 1957. Dieser Beitrag erzählt, wie es dazu kam: von den Anfängen als Seattle Pilots über eine Saison mit schwachem Start und historischem Endspurt bis zu den Spielern, die überzeugt, enttäuscht, gefehlt und überrascht haben.

Der Moment: Game 5 im Tropicana Field

Die Entscheidung fiel in St. Petersburg, und sie hatte ihren Ausgangspunkt einen Abend zuvor. Im vierten Spiel standen die Brewers drei Outs vor dem Sweep, doch im zwölften Inning drehten die Rays die Partie und gewannen 4:3. Die Antwort kam prompt. Jacob Misiorowski, der junge Ace des Teams, warf fünf und zwei Drittel Innings ohne Gegentreffer und liess nur zwei Hits zu. Er verliess das Spiel wegen eines Wadenkrampfs im rechten Bein, doch da führte Milwaukee bereits 4:0. Der Bullpen brachte den Vorsprung ins Ziel, und Closer Trevor Megill erzwang den letzten Out gegen Richie Palacios.

Auf dem Feld umarmte Robin Yount, die lebende Legende der Franchise, Kapitän Christian Yelich. Tausende mitgereiste Fans hatten das Tropicana Field in den letzten drei Spielen in ein Stück Milwaukee verwandelt, und im American Family Field verfolgten weitere Tausende das Spiel bei einem ausverkauften Public Viewing. Selbst die Fanshops im Stadion mussten zwischenzeitlich schliessen, weil die Nachfrage nach World Series Merchandise die Erwartungen überstieg.

Die Geschichte der Brewers: Von den Seattle Pilots zum Weltmeister

Die Wurzeln der Franchise reichen bis 1969 zurück, als das Team als Seattle Pilots startete. Schon ein Jahr später zog es nach Milwaukee um und nahm den Namen Brewers an. Der Titel von 1957 gehörte noch den Braves, die später nach Atlanta weiterzogen, sodass die Stadt über Jahrzehnte ohne Meisterschaft blieb.

Die Brewers selbst erreichten die World Series erstmals 1982. Damals spielte das Team mit Hall of Famern wie Robin Yount und Paul Molitor und führte in Spiel 7 gegen die St. Louis Cardinals sogar zwischenzeitlich, verlor aber am Ende 3:6. Danach dauerte es bis 2008, bis die Brewers überhaupt wieder in den Playoffs standen. Es folgten bittere Beinahe Momente: 2011 fehlten zwei Siege zur World Series, 2018 sogar nur einer. Zuletzt zerstörten die Los Angeles Dodgers im Herbst 2025 den Traum mit einem Sweep in der NLCS.

Über allem schwebte ein Name, der in Milwaukee mehr bedeutet als jeder Spieler: Bob Uecker. Der legendäre Radiosprecher kommentierte 54 Jahre lang Brewers Spiele und starb im Januar 2025 mit 90 Jahren. Zum Start der World Series hingen vier seiner Jacken in der Übertragungskabine, und Yount warf den ersten Pitch der ersten Brewers Heimpartie in einer World Series seit 44 Jahren. Und auch in den Berichten nach dem Titel tauchte er auf: Die Nachrichtenagentur AP griff eine seiner berühmten Wendungen auf, um das Ende der langen Durststrecke zu beschreiben.

Die Saison 2026: Vom Tabellenende zum besten Team der Liga

Dass am Ende eine Meisterschaft stand, hätte Ende April kaum jemand vorhergesagt. Die Brewers kämpften zu Saisonbeginn mit zwei Verlustserien, einer über sechs und einer über vier Spiele, und standen in der extrem starken NL Central zeitweise sogar auf dem letzten Platz. Nach einer Niederlage am 4. Mai lag die Bilanz bei 18 Siegen und 16 Niederlagen. Was danach folgte, war einer der dominantesten Läufe der jüngeren Ligageschichte: 85 Siege bei nur 43 Niederlagen bis zum Saisonende. Mit 103 Siegen stellte Milwaukee einen Franchise Rekord auf und beendete die reguläre Saison mit der besten Bilanz der gesamten MLB.

Bemerkenswert ist, wie diese Siege zustande kamen. Mit nur 154 Homeruns gehörten die Brewers zu den schwächsten Power Teams der Liga, erzielten aber die zweitmeisten Runs der Major League und hatten gleichzeitig die zweitbeste Earned Run Average. Nur 32,1 Prozent ihrer Runs kamen über Homeruns, der tiefste Wert aller Teams. Dahinter stand ein Umbau der Offense: Der neue Hitting Coach Daniel Vogelbach, im Januar verpflichtet, half den Schlagleuten dabei, aus ihrem geduldigen Spiel mehr Wucht zu entwickeln, ohne das Gespür für Walks und gezielte Hits zu verlieren. Wie wenig Geld dafür nötig war, zeigt die Gehaltsliste: Die Brewers lagen per Ende August nur auf Rang 19 aller Teams, die Rays auf Rang 25. Es war die erste World Series seit 1991 zwischen zwei Mannschaften aus der unteren Gehaltshälfte, und Milwaukee ist zudem der kleinste Markt der Liga.

Auch der Schlussspurt war historisch. Seit dem 6. September gewannen die Brewers inklusive Playoffs 26 von 31 Spielen.

Der Weg durch die Playoffs

In der Division Series trafen die Brewers auf die San Diego Padres. Einen Schlüsselmoment lieferte Jackson Chourio mit dem entscheidenden Treffer im zweiten Spiel, am Ende setzte sich Milwaukee durch. In der NLCS wartete der Zweifach Titelverteidiger aus Los Angeles, der um den dritten Titel in Folge kämpfte. Die Brewers fegten die Dodgers mit 4:0 aus der Serie und stoppten damit auch das Three Peat Projekt von Shohei Ohtani und Co. Der erste Homerun von Ohtani seit fast zwei Monaten kam im entscheidenden Spiel zu spät.

Die World Series gegen die Rays, das beste Team der American League, war ein Wechselbad. Game 1 gewannen die Brewers 3:2, Game 2 mit 5:4 nach einem Comeback. Im dritten Spiel erzielten sie acht Runs in einem einzigen Inning und gewannen deutlich. Dann folgte die Niederlage im zwölften Inning von Game 4 und schliesslich der souveräne Abschluss. Insgesamt gewann Milwaukee elf von dreizehn Playoff Spielen, mehrere davon nach Rückstand. Interessant: In der ganzen Finalserie fielen nur vier Homeruns, drei davon durch die Brewers.

Die Überzeugenden

Jacob Misiorowski: Vom Junior College zum Cy Young Favoriten

Jacob Misiorowski, Spitzname The Miz, ist die vielleicht grösste Geschichte des Jahres. Geboren am 3. April 2002 in Blue Springs, Missouri, wuchs der 2,01 Meter grosse Rechtshänder in der Gegend um Kansas City auf und besuchte die Grain Valley High School. Sein Weg in den Profisport verlief ungewöhnlich: Er spielte am Crowder College, einer Junior College Schule in Neosho, Missouri, und verlor sein erstes Jahr dort wegen eines Meniskusrisses fast komplett. In seinem zweiten Jahr 2022 dominierte er mit zehn Siegen ohne Niederlage und 136 Strikeouts in 76 Innings. Obwohl er sich bereits für die Louisiana State University entschieden hatte, wählten ihn die Brewers im Draft 2022 an 63. Stelle und überzeugten ihn mit einem Handgeld von 2,35 Millionen Dollar, weit über dem empfohlenen Wert und sogar mehr als beim Erstrundenpick des Teams.

Sein MLB Debüt gab Misiorowski am 12. Juni 2025. In dieser ersten Saison wurde sein Talent sichtbar, in der zweiten wurde er zum besten Pitcher des Sports. Er beendete die Regular Season mit einer Earned Run Average von 1,80 und 252 Strikeouts in 174 und zwei Drittel Innings, beides der beste Wert der Liga, dazu führte er auch bei WHIP, Strikeout Rate und der geringsten Trefferquote. Er gilt als klarer Favorit auf den Cy Young Award der National League und wurde zudem zum zweiten Mal in den All Star Kader berufen. In der World Series erzielte er mit 103,5 Meilen pro Stunde den schnellsten Pitch der Finalgeschichte, gewann beide Starts und kam auf eine ERA von 0,84. Sein Auftritt in Game 5 war historisch: Ausser ihm hat nur Tom Glavine 1995 in einem möglichen Clincher fünf Innings ohne Gegenpunkte bei höchstens zwei Hits gespielt. Der Pitcher ist 24 Jahre alt und bis 2031 vertraglich gebunden.

William Contreras: Der MVP der World Series

Zum Spieler der Finalserie wurde Catcher William Contreras gewählt. Er schlug in den fünf Spielen 8 Hits aus 21 Versuchen (.381), brachte vier Runs nach Hause und schlug nur einmal aus. Dazu kam seine Arbeit hinter der Platte: Er gewann 10 von 14 Ball Strike Challenges und warf vier von neun Basestealern aus. Er ist der erste Catcher als World Series MVP seit Salvador Perez 2015. Die Brewers hatten ihn im Dezember 2022 bei einem Dreierdeal mit Atlanta und Oakland geholt, ein Transfer, der sich rückblickend als Glücksgriff erwiesen hat. In den Vorjahren hatte er trotz eines gebrochenen Mittelfingers an der Handschuhhand gespielt und wurde 2024 Fünfter bei der MVP Wahl.

Jackson Chourio: Rekordjäger im Final

Der Outfielder war nach einem Knochenbruch in der Hand erst nach rund einem Monat in die Saison gestartet, drehte dann aber auf. In der Finalserie schlug er 11 Hits in fünf Spielen, ein neuer Rekord für eine Serie dieser Länge, bei einem Schnitt von .458. Bereits als Rookie 2024 war er der jüngste Spieler mit 20 Homeruns und 20 gestohlenen Bases, 2025 wurde er zum jüngsten mit zwei solchen Saisons. Viele Beobachter sehen in ihm nun das neue Gesicht der Franchise.

Jake Bauers: Der Spieler, der fast aufgehört hätte

Kaum eine Geschichte dieser Playoffs bewegte so viele Menschen wie die von Jake Bauers. Der Erstbaseman, der in seiner Karriere für vier Klubs gespielt hatte, ohne je nachhaltig Fuss zu fassen, stand nach einer enttäuschenden Saison 2024 kurz vor dem Rücktritt. Dann erfuhr seine Frau Lauren von ihrer Schwangerschaft, und die Familie brauchte dringend eine Krankenversicherung. Bauers entschied sich weiterzuspielen und unterschrieb erneut bei den Brewers. 2025 schlug er .308 und erhielt eine Vertragsverlängerung. 2026 wurde er in der NLCS gegen die Dodgers zum wertvollsten Spieler, mit 4 Hits aus 14 Versuchen, einem Homerun, sechs RBI und einem Walk, der den Ausgleich erzwang. Er ist der erste Brewers Spieler überhaupt, der diese Auszeichnung erhielt. Den Ball vom letzten Out der World Series steckte er ein und schenkte ihn danach seinem Manager.

Der Bullpen und der Manager

Der Bullpen war die vielleicht stabilste Einheit des Teams. Aaron Ashby warf in der Finalserie fünf und zwei Drittel Innings ohne Gegenpunkte, dazu glänzten Abner Uribe, DL Hall, JoJo Romero und Trevor Megill. Hinter dem Erfolg steht Manager Pat Murphy, 67 Jahre alt und 2020 einem Herzinfarkt entronnen. Er wurde in seinen ersten beiden vollen Jahren 2024 und 2025 zum Manager des Jahres der National League gewählt. Seine Entscheidung, Misiorowski in Game 4 nicht zu bringen, wurde nach der Niederlage diskutiert, erwies sich aber als richtig, denn so stand sein Ace in Game 5 ausgeruht bereit.

Die Überraschungen

Eine Meisterschaft lebt auch von Spielern, mit denen niemand gerechnet hat. Der Shortstop Cooper Pratt, 22 Jahre alt, debütierte erst im Juni in der Major League und ist bis 2033 vertraglich gebunden. In der World Series stellte er mit sechs Hits in Folge einen Rookie Rekord auf, schlug .421 und lieferte in Game 4 vier Hits, darunter den Homerun im zwölften Inning. Nach dem Titel meinte er, es habe nur vier Monate gedauert, bis sein Traum wahr wurde.

Robert Gasser startete die Saison noch in den Minor Leagues und warf in Game 3 sechs Innings ohne Gegenpunkte bei nur einem Hit, im direkten Duell gegen den früheren Brewers Ace Freddy Peralta. Kyle Harrison, im Tausch mit den Boston Red Sox nach Milwaukee gekommen, hielt zu Saisonbeginn eine ERA von 2,28 bei 30 Strikeouts in knapp 24 Innings, obwohl er in seiner Karriere nie unter 4,00 gelegen hatte. David Hamilton, ebenfalls aus diesem Tauschgeschäft, in dem Caleb Durbin nach Boston wechselte, schlug in Game 4 aus dem neunten Platz im Lineup einen Ausgleichs Homerun. Auch Shane Drohan kam aus Boston und half in den Playoffs.

Garrett Mitchell hatte nach Verletzungen in den Vorjahren bis Mitte Mai nur einen Homerun, schlug danach aber zehn weitere und kam in den Playoffs auf zwei wichtige Homeruns und einen Triple. Sal Frelick traf in der Regular Season nur viermal über den Zaun und glich in Game 2 mit einem Homerun aus. Und der Umbau des Teams setzte sich fort: Nach Abgängen wie dem von Freddy Peralta und den vielen Verletzungen bekamen Spieler wie Drohan, Gasser und Logan Henderson ihre Chance und nutzten sie.

Die Enttäuschungen

Nicht alles lief nach Plan. Closer Trevor Megill, im Vorjahr noch dominant, startete mit einer ERA von 7,20 in die Saison, fand aber zurück und beendete im Final die entscheidenden Innings. Auch Angel Zerpa, als Verstärkung des Bullpens erwartet, kassierte in den ersten Wochen neun Earned Runs in knapp 13 Innings und fiel später für den Rest der Saison aus. Brice Turang spielte in den ersten Wochen wie ein MVP Kandidat, verfiel danach aber in einen Formeinbruch mit schwachen Schlagentscheidungen, den er erst wieder korrigieren musste. Auch Christian Yelich, der frühere MVP, war nicht mehr auf dem Niveau früherer Jahre, trug als Kapitän aber wichtige Teile zur Kultur des Teams bei und lieferte in den Playoffs solide Beiträge.

Die Verletzten

Kaum ein Titelträger hat so viele Ausfälle verkraftet wie diese Brewers. Quinn Priester fiel bereits im Spring Training für die gesamte Saison aus. Brandon Woodruff, das dienstälteste Mitglied der Franchise, verletzte sich im April, kehrte im Juni zurück, zog sich Anfang Juli erneut eine Verletzung zu und hätte im August operiert werden sollen. Dann stellte sich überraschend heraus, dass der Eingriff nicht nötig war, und Woodruff schaffte es noch in den World Series Kader, nachdem er in den Vorjahren die Playoffs verpasst hatte. Chourio und Andrew Vaughn fehlten wegen Handverletzungen den ersten Monat, Yelich verpasste ebenfalls Spiele. Dazu fielen Zerpa und Brian Fitzpatrick im Bullpen für die ganze Saison aus, Turang hatte zwischenzeitlich Knieprobleme und Pratt eine Oberschenkelverletzung. Misiorowski musste zweimal wegen Krämpfen vorzeitig vom Platz.

Die Verlierer dieser Serie

Auch die Unterlegenen verdienen Respekt. Die Rays verloren zum dritten Mal eine World Series, nach 2008 und 2020, und bleiben weiter ohne Titel. Ihr Manager Kevin Cash lobte den Zusammenhalt seiner angeschlagenen Mannschaft, Pitcher Drew Rasmussen nannte die Brewers das beste Team, gegen das er je gespielt habe. Die Dodgers wiederum mussten ihr Three Peat Projekt nach zwei Titeln in Serie begraben.

Der Blick nach vorn

Der Moment der Freude könnte schnell von Realität eingeholt werden. Die Besitzer fordern ein Gehaltslimit und argumentieren, kleine Märkte könnten nicht regelmässig erfolgreich sein. Ein Lockout durch die Teambesitzer ab dem 2. Dezember gilt als wahrscheinlich und könnte die Saison 2027 gefährden. Die Brewers haben mit ihrem Titel zumindest ein starkes Gegenargument geliefert. Sportlich spricht vieles dafür, dass dieses Team auch im nächsten Jahr mitreden wird: Misiorowski ist bis 2031 gebunden, Pratt bis 2033.

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Quellen

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