Sieben Siege in sieben Spielen. 39:7 Tore. Gruppensieger. Und nun wartet im Viertelfinal der Angstgegner Schweden. Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft hat die Gruppenphase der Heim-WM 2026 in Zürich und Freiburg makellos abgeschlossen. Sechs NHL-Stars tragen das Schweizer Trikot: Roman Josi, Nico Hischier, Timo Meier, Nino Niederreiter, Janis Moser und Pius Suter. Hier sind alle Fakten, Verletzungsgeschichten, Rekorde und Hintergründe zu den Männern, die die Schweiz zum ersten WM-Titel der Geschichte führen wollen.
Der aktuelle Stand: Makellos in den Viertelfinal
Die Schweiz schloss die Vorrunde makellos ab mit sieben Siegen, 21 Punkten und einem Torverhältnis von 39:7 und ist damit Gruppensieger der Gruppe A. Als Gruppensieger treffen sie nun am Donnerstag, 28. Mai, um 20:20 Uhr im WM-Viertelfinal auf Angstgegner Schweden in der Swiss Life Arena in Zürich. Weitere Viertelfinals des Tages sind Finnland gegen Tschechien (16:20 Uhr Zürich), Kanada gegen USA (16:20 Uhr Fribourg) sowie Norwegen gegen Lettland (16:20 Uhr Fribourg). Speziell: Auf den Sieger des Spiels Schweiz gegen Schweden könnte im Halbfinal der Gewinner des Aussenseiterduells Norwegen gegen Lettland warten. Alle Spiele und Tabellen der Eishockey-WM 2026 gibt es auf Watson.ch sowie beim IIHF. Die Spiele werden live auf SRF Sport übertragen.
Roman Josi: Der Kapitän mit dem Weltrekord-Hattrick
Wenn die Geschichte der Eishockey-WM 2026 geschrieben wird, wird ein Name ganz oben stehen: Roman Josi, Nashville Predators. Der 35-jährige Berner Verteidiger und Kapitän der Schweizer Nationalmannschaft hat an diesem Turnier bereits Geschichte geschrieben, bevor die K.o.-Phase überhaupt begonnen hat.
Gegen Ungarn benötigte Josi beim 9:0-Sieg für seine ersten drei Treffer lediglich 4:45 Minuten. Schneller war in der Geschichte der Weltmeisterschaft noch niemand. Josi unterbot die vorige Bestmarke des Kanadiers Shane Doan aus dem Jahr 2007 (6:35) deutlich. Mit 53 Punkten (16 Tore, 37 Assists) in 70 WM-Spielen rückte der 35-jährige Josi, der für die Nashville Predators spielt und zum zehnten Mal bei einer Weltmeisterschaft auf dem Eis steht, auf Rang drei der produktivsten Verteidiger in der WM-Historie vor.
Das 1:0 erzielte Josi per Handgelenkschuss nach 18:09 Minuten, nachdem er geschickt verzögert hatte. Vor dem 2:0 nach 20:29 Minuten bewies er stupende Stock-Technik. Das 3:0 fiel dann im Powerplay nach 22:54 Minuten: Josi hämmerte die Scheibe aus der Distanz ins Netz. Josi, kein Mann der Prahlerei, erfuhr nach dem Spiel von seinem Weltrekord und sagte: "Das ist sicher cool, aber als Verteidiger braucht man immer auch etwas Glück, dass die Scheiben ins Tor fallen. Und vor allem auch Mitspieler, die dir dabei helfen." Es war im Profibereich Josis erster echter Hattrick. An das letzte Mal, als er drei Tore in einem Spiel erzielte, erinnert er sich selbst nur schwach: "In Bern in den Playoffs habe ich mal einen gemacht, aber ein Schuss war abgefälscht, es war also ein gefälschter Hattrick."
Nach dem Ungarn-Spiel steht Josi bei 8 Punkten (4 Tore, 4 Assists) an dieser WM und belegt Platz 5 der Gesamtskorerliste. Drei der vier Spieler vor ihm spielen im selben Team: Sven Andrighetto (4 Tore, 9 Assists), Denis Malgin (3 Tore, 7 Assists) und Timo Meier (3 Tore, 6 Assists). Mehr zu Roman Josi gibt es auf der offiziellen NHL-Spielerseite, auf SRF Sport und auf Watson.ch.
Roman Josi gegen Deutschland: Ein Shorthander der Geschichte schrieb
Schon vor dem Ungarn-Spiel hatte Josi die Nati im dritten Gruppenspiel gegen Deutschland massgeblich zum 6:1-Sieg geführt. Nino Niederreiter bereitete das 3:0 von Christoph Bertschy am Boden liegend vor und sagte danach: "Unsere Linie hat das gebraucht. Wir hatten noch nicht das Turnier, das wir uns gewünscht hatten." Das erste Tor durch Denis Malgin war ein Shorthander in Unterzahl, assistiert von Hischier und Josi, während Meier auf der Strafbank sass. Das ist selbst für NHL-Kaliber aussergewöhnlich. In der Folge dominierte das NHL-Duo Hischier und Josi zwei Powerplays eiskalt. Das 6:1 gegen Deutschland war der Wendepunkt dieser WM für die gesamte Mannschaft. Mehr dazu auf Blick.ch.
Nico Hischier: Leader auf und neben dem Eis
Mit Nico Hischier steht Nationalcoach Jan Cadieux ein weiterer Captain aus der weltbesten Liga zur Verfügung. Der Center der New Jersey Devils hat in der Vergangenheit seinen Wert für die Nati als Spieler und Führungspersönlichkeit schon mehrmals unter Beweis gestellt und ist auch an der Heim-WM einer der grossen Hoffnungsträger. Hischier spielt in der ersten Linie gemeinsam mit Théo Rochette und Timo Meier und ist das spielgestalterische Zentrum der Schweizer Offensive.
Gegen Grossbritannien traf Hischier nach einem Fehlpass von Nathanael Halbert zum 2:0, nachdem er schon in den letzten beiden Duellen gegen die Briten getroffen hatte. Gegen Finnland gelang Hischier noch ins leere Tor das 4:2 zum Endstand und besiegelte damit den Gruppensieg. Was Hischier von anderen Spielmachern unterscheidet: Er macht das Spiel langsamer, wenn es schneller werden muss, und beschleunigt es, wenn sich Räume öffnen. Das ist Spielintelligenz auf höchstem Niveau. Alle Statistiken zu Hischier auf der offiziellen NHL-Spielerseite.
Nino Niederreiter: Ein Comeback das unter die Haut geht
Keine Geschichte an dieser WM ist menschlich berührender als jene von Nino Niederreiter. Der 33-jährige Stürmer der Winnipeg Jets hat eine der schwierigsten Saisons seiner Karriere hinter sich und steht nun trotzdem auf dem WM-Eis in seiner Heimat.
Bei Olympia in Mailand gab Niederreiter offen Auskunft: "Ich schleppe schon die ganze Saison eine Verletzung mit. Wasser im Knie." Keine Ausrede, einfach eine Feststellung. Vier Spiele, nicht ein einziger Skorerpunkt und einer von nur drei Spielern im Team mit einer Minus-Bilanz. Im März unterzog sich Niederreiter schliesslich einer Operation. Trainer Scott Arniel bestätigte: "Er hat sich heute etwas besser gefühlt aber dürfte für uns nach der Operation wohl für weitere vier bis sechs Wochen ausfallen." Bereits am 6. April gab Niederreiter überraschend schnell sein Comeback bei den Winnipeg Jets, die 6:2 gewannen.
Niederreiter blickte in Zürich zurück: "Meine ganze Karriere konnte ich bisher mehr oder weniger schmerzfrei durchspielen. Dass mir etwas schon die ganze Saison Schwierigkeiten bereitet, ist neu für mich." Und: "Durch das Olympiaturnier musste ich mich kämpfen, bis danach mit der Operation die Erlösung kam."
Beim 6:1-Sieg gegen Deutschland verbuchte Niederreiter die ersten Skorerpunkte an der Heim-WM mit zwei Assists. Er bereitete das 3:0 von Christoph Bertschy am Boden liegend vor. "Ich wusste, dass Bertschy irgendwo dort stehen sollte." Gegen Grossbritannien traf Niederreiter gleich doppelt. Captain Roman Josi lancierte ihn für das erste Tor, Timo Meier schickte ihn für das vierte auf die Reise. Captain Josi sagte dazu: "Für uns ist es natürlich super, dass ihm zwei Tore gelungen sind. Er hat in seiner Karriere bewiesen, dass er das kann. Er hat in der NHL meist 20 Tore pro Saison geschossen." Niederreiter selbst: "Es kommt jetzt immer besser und besser. Es sind nun rund acht Wochen vergangen, seit das Knie operiert wurde. Man merkt es schon immer noch. Es braucht seine Zeit."
Mehr zur Niederreiter-Geschichte auf Blick.ch, auf Watson.ch und auf der offiziellen NHL.com Meldung zur Operation.
Timo Meier: Der Power Forward der Angst macht
Timo Meier aus Herisau, Kanton Appenzell Ausserrhoden, ist 29 Jahre alt und spielt für die New Jersey Devils. Er wurde im NHL Draft 2015 an neunter Stelle von den San Jose Sharks ausgewählt und spielte in den letzten vier Spielzeiten für die New Jersey Devils. Mit der Schweizer Nationalmannschaft gewann Meier bei den Weltmeisterschaften 2018 und 2025 Silber.
Gegen Grossbritannien schickte Hischier Meier auf die Reise, der über links viel Geduld bewies, verzögerte und zunächst selbst abschloss. Meier setzte nach und brachte die Scheibe nochmals gefährlich vor das Tor, wo Niederreiter am weiten Pfosten goldrichtig stand und zum 4:1 einschob. Meier freute sich nach dem Ungarn-Spiel auf den spielfreien Tag und seine ganz persönliche Batterie-Aufladung. "Wir müssen uns gut erholen. Es kommen starke Gegner im weiteren Turnierverlauf." Den Fans verriet er mit einem Lachen noch eine Kleinigkeit: Er wolle den Cup-Final des FC St. Gallen schauen, wollte aber nicht sagen wie und wo. Meier ist der Spieler, der an dieser WM die unangenehmen Orte aufsucht, an denen kein anderer sein möchte. Alle Statistiken zu Meier auf der offiziellen NHL-Spielerseite.
Janis Moser: Der junge Blueliner der Tampa Bay Lightning
Blueliner J.J. Moser von den Tampa Bay Lightning stiess, wie bereits vorab angekündigt, zu einem späteren Zeitpunkt zum Team. Die Schweizer Auswahl setzt sich aus drei Torhütern, acht Verteidigern und 14 Stürmern zusammen. Sechs Spieler aus der NHL stehen im Kader. Der 25-jährige Verteidiger aus dem Seeland rückte nach dem Playoff-Ausscheiden seines Teams zur Schweizer Nationalmannschaft. Janis Moser sagte vor dem Finnland-Spiel: "Es wird ein hartes, umkämpftes Spiel um den Gruppensieg. Alle weiteren Spiele werden nun nicht mehr viel anders sein. Von dem her ist die Partie gegen Finnland sehr wichtig für uns." Alle Infos zu Moser gibt es auf der offiziellen NHL-Spielerseite.
Pius Suter: Der unbesungene Held
Pius Suter ist der vielleicht am wenigsten bekannte der sechs NHL-Stars, aber keineswegs der unwichtigste. Der Stürmer der St. Louis Blues ist in der Nationalmannschaft ein zentrales Element der zweiten Linie und des Powerplays. Im Vorbereitungsspiel gegen Tschechien war Suter der einzige NHL-Spieler im Kader der Hockey-Nati, da Josi, Hischier, Meier und Niederreiter geschont wurden. Suter traf nach fünfeinhalb Minuten zum 2:0. Was Suter besonders macht: Er ist ein klassischer Two-Way-Center, der sowohl offensiv als auch defensiv auf höchstem Niveau agiert und weniger im Rampenlicht steht als die NHL-Kollegen. Alle Statistiken zu Suter auf der offiziellen NHL-Spielerseite.
Die verletzten Schweizer NHL-Spieler: Siegenthaler fehlt
Verteidiger Jonas Siegenthaler von den New Jersey Devils wird die WM verpassen. Bei Philipp Kurashev, Stürmer der San Jose Sharks, bestanden noch Hoffnungen, bei ihm liefen medizinische Abklärungen. Siegenthalers Ausfall ist besonders schmerzhaft, weil er in der NHL als einer der solidesten defensiven Verteidiger der Liga gilt und die Schweizer Abwehr enorm entlastet hätte. Aktuelle Verletzungsmeldungen zu allen Schweizer NHL-Spielern gibt es auf NHL.com.
Fakten die kaum jemand kennt
Erstens: Josi hat mit 53 WM-Punkten den früheren Sowjetverteidiger Alexei Kasatonow überholt und ist nun der drittbeste punktende Verteidiger in der gesamten WM-Geschichte. Zweitens: Das 1:0 gegen Ungarn erzielte Josi per Handgelenkschuss nach 18:09 Minuten, das 2:0 folgte nur 29 Sekunden nach Wiederbeginn des zweiten Drittels. Für seinen Hattrick benötigte er insgesamt 4 Minuten und 45 Sekunden über die Drittelgrenze hinweg. Drittens: Leonardo Genoni baute seinen eigenen Rekord weiter aus: Zum 14. Mal blieb der 38-jährige Goalie bei einer WM ohne Gegentor und überholte damit den Tschechen Jiri Holecek, der zwischen 1966 und 1978 zwölf Shutouts schaffte. Viertens: Im Vorbereitungsspiel gegen Tschechien wurden Josi, Hischier, Meier und Niederreiter komplett geschont. Nur Suter von den NHL-Stars war im Einsatz und traf trotzdem zum 2:0. Fünftens: Gegen Finnland läutete Ski-Star Marco Odermatt das Spiel mit einer Glocke ein. Die Starting Six in der Kabine verlas Büne Huber, Frontmann der Band Patent Ochsner. Sechstens: Titelverteidiger und Olympiasieger USA gehört zu den Favoriten, hat aber im Kader kein einziges Mitglied des WM-Teams 2025 und nur einen Olympiasieger von 2026: Matthew Tkachuk von den Florida Panthers.
Der Angstgegner: Was beim Viertelfinal gegen Schweden auf dem Spiel steht
Der Kampf um den Gruppensieg im letzten Vorrundenspiel gegen Finnland war auch ein wichtiger Test im Hinblick auf den Viertelfinal. Im Gegensatz zu den Spielen gegen die Kleinen wie Ungarn oder Grossbritannien sind die Räume enger, der Weg zum Tor komplizierter. Entsprechend schwer taten sich die Schweizer phasenweise gegen Finnland. Ausgerechnet Angstgegner Schweden wartet nun. Auch wenn die Schweden an dieser WM bisher nur selten überzeugen konnten, dürfte es eine ähnliche Herausforderung werden. Wer den WM-Titel will, muss seine Dämonen besiegen. Und der grösste Dämon der Schweizer Eishockey-Geschichte trägt blaue und gelbe Trikots. Das wissen Josi, Hischier, Niederreiter und Meier. Und genau deshalb werden sie am Donnerstagabend vor 10.000 Fans in Zürich alles geben. Alle Playoff-Infos und Spielpläne gibt es beim IIHF, auf SRF Sport und bei Blick.ch.
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