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NFL Woche 8 2026: Simmons Trade, Vikings Rätsel und das Sunday Ticket Urteil

NFL Woche 8 2026: Simmons Trade, Vikings Rätsel und das Sunday Ticket Urteil

Die NFL Saison 2026 geht auf die Saisonmitte zu, und die Tage vor dem Spieltag am Sonntag, 1. November, gehören zu den ereignisreichsten des Jahres. Ein Defensive Tackle wechselt für zwei Erstrundenpicks das Team, was es in der modernen Draft Ära noch nie gegeben hat. Eine ungeschlagene Mannschaft wird von Statistikern als eine der schwächsten ihrer Art eingestuft. Ein Berufungsgericht hat soeben ein Milliardenurteil gegen die Liga wiederbelebt. Und in zehn Tagen schliesst die Trade Deadline. Dieser Beitrag ordnet die grossen Meldungen ein und beleuchtet auch jene Details, über die kaum jemand spricht.

Der Jeffery Simmons Trade: Zwei Erstrundenpicks für einen Defensive Tackle

Der Wechsel von Jeffery Simmons von den Tennessee Titans zu den Chicago Bears ist die Schlagzeile der Woche. Nach Recherchen von ESPN Research wurde seit Einführung des modernen Drafts im Jahr 1967 noch nie ein Defensive Tackle gegen zwei Erstrundenpicks getauscht. Die Titans erhalten von Chicago ein Erstrundenrecht für 2027, eines für 2028 und einen Viertrundenpick für 2027.

Die Vorgeschichte macht den Deal bemerkenswert. Titans General Manager Mike Borgonzi hatte nach eigener Aussage seit seinem Amtsantritt zahlreiche Anfragen erhalten und nie ernsthaft darüber nachgedacht. Erst ein Anruf von Bears General Manager Ryan Poles, mit dem er zwischen 2009 und 2021 bei den Kansas City Chiefs zusammengearbeitet hatte, änderte das. Simmons selbst wurde offenbar überrumpelt: Am Mittwoch hatte er den Medien noch gesagt, weder sein Agent noch das Team hätten ihn über Trade Pläne informiert, und er wolle in Nashville bleiben. Erst im Juni hatte er einen Dreijahresvertrag über 105 Millionen Dollar unterschrieben.

Sportlich trifft der Verlust die Titans hart. Simmons führte das Team bei Sacks, Tackles for Loss und abgewehrten Pässen an und musste in den ersten sieben Spielen 101 Doppeldeckungen auf sich ziehen, der zweithöchste Wert unter allen Defensive Tackles der Liga. Das Team steht bei einer Bilanz von einem Sieg und sechs Niederlagen. Dass Titans Besitzerin Amy Adams Strunk dem Trade zustimmte, obwohl sie seit seiner Draftwahl 2019 an 19. Stelle ein enges Verhältnis zu ihm hatte, zeigt, wie ernst der Umbau genommen wird. Brisant ist auch die Personalgeschichte des Klubs: Die Titans haben seit 2022 in jeder Saison einen Head Coach oder General Manager entlassen. Für die Bears dagegen verbesserten sich die Wettquoten auf den Super Bowl LXI deutlich.

Die Colts verkaufen: Vom grössten Käufer zum grössten Verkäufer

Vor einem Jahr gehörten die Indianapolis Colts zu den aggressivsten Käufern der Deadline und holten laut ESPN Berichten Sauce Gardner von den New York Jets für zwei Erstrundenpicks. Dieses Jahr ist alles umgekehrt. Guard Quenton Nelson, eine der Konstanten der Franchise, wechselte zu den Seattle Seahawks, die dafür unter anderem einen Dritt und einen Fünftrundenpick abgaben. Die Colts hatten Nelson schon am Montag informiert und wollten ihn nach eigenen Angaben in eine gute Situation schicken. Defensive Tackle DeForest Buckner ging zu den San Francisco 49ers.

Weitere Bewegung ist wahrscheinlich. Receiver Josh Downs hat nach ESPN Informationen am Mittwoch einen Trade gefordert, und Berichten zufolge ist Indianapolis auch bereit, Running Back Jonathan Taylor abzugeben. Interessant ist dessen Vertragskonstruktion: Obwohl er erst kürzlich verlängert hat, würde ein Trade den Colts im kommenden Jahr rund 10 Millionen Dollar Dead Money bescheren. Sein Gehalt von 16,02 Millionen Dollar für 2027 ist noch nicht garantiert und wird erst fünf Tage nach dem Super Bowl voll garantiert. Ein aufnehmendes Team könnte ihn also zunächst ohne langfristige Verpflichtung testen.

Weitere Namen auf dem Trade Markt

Mit Blick auf den 10. November, 16 Uhr Ostküstenzeit, gelten mehrere Spieler als wahrscheinliche Wechselkandidaten. Genannt werden Jaguars Receiver Brian Thomas Jr., der in seinem dritten Jahr an Bedeutung verloren hat, Vikings Receiver Jauan Jennings und Cardinals Edge Rusher Josh Sweat. Die Kansas City Chiefs gelten als Kandidat für einen Receiver, nachdem Rashee Rice und Tyquan Thornton verletzt ausgefallen sind. Klar ist dagegen die Haltung der New York Jets bei Garrett Wilson: Laut ESPN Reporter Adam Schefter ist ein Trade vor der Deadline ausgeschlossen. Und bei den Philadelphia Eagles, die zuletzt fünf Spiele in Folge verloren haben, wird mit einem mindestens teilweisen Abverkauf gerechnet, auch wenn sie dank früherer Trades bereits zusätzliche Erst und Zweitrundenpicks für 2028 besitzen.

Die Vikings: Ungeschlagen und trotzdem umstritten

Die Minnesota Vikings sind mit sechs Siegen aus sechs Spielen eines der grössten Rätsel der Liga. Ihr Schnitt von 8,5 Punkten Differenz pro Spiel ist der beste der NFL, noch vor den 49ers mit 8,3. Und doch fragt ESPN Analyst Aaron Schatz offen, ob sie das schwächste 6:0 Team der Geschichte sind. Seine Analyse ordnet sie nach DVOA auf Rang 6 der schwächsten ungeschlagenen Teams seit 1978 ein, die schlechtesten waren die Denver Broncos von 2015, die später den Super Bowl gewannen.

Der Grund für die Skepsis ist die Unwucht im Team: Die Offense liegt im DVOA nur auf Rang 30, die Defense auf Rang 2 und die Special Teams auf Rang 1. Vier von sechs Siegen fielen mit weniger als einem Touchdown Unterschied aus, bisher hatten die Vikings den zweitleichtesten Spielplan der Liga. ESPNs Football Power Index sieht Minnesota deshalb nur auf Platz 16 und gibt ihnen eine Chance von 4,7 Prozent auf den Super Bowl. Ein Schlüssel zum Erfolg ist die Defense unter Coordinator Brian Flores mit einer Blitz Quote von rund 70 Prozent, die ESPN als keine Spielerei einordnet. Am Sonntag wartet das Auswärtsspiel bei den Detroit Lions, die 2025 nach einem Sweep durch Minnesota die Playoffs verpassten.

Lamar Jackson und das Chaos in der AFC North

In der AFC North steht die Tabelle auf dem Kopf: Die Cleveland Browns führen mit fünf Siegen und zwei Niederlagen, die Baltimore Ravens sind Letzter. Beide Niederlagen ohne ihren verletzten Quarterback kassierten die Ravens ausgerechnet gegen Cleveland und die Cincinnati Bengals, die damit auch den direkten Vergleich für sich entschieden haben. Cincinnati erzielte am vergangenen Wochenende 35 Punkte in der zweiten Halbzeit in Baltimore.

Nun steht die Rückkehr von Lamar Jackson an. Der Quarterback fehlte wegen einer hohen Sprunggelenksverstauchung und nannte seine Schmerzen vor dem Spiel gegen die Buffalo Bills laut ESPN erträglich. Am Sonntag trifft er auf Josh Allen, was viele Experten als das beste Quarterback Duell der bisherigen Saison bezeichnen. Die Analysten sind sich über die Zukunft der Division uneins: Dan Graziano hält Cleveland und Pittsburgh für schwächer, als ihre Bilanz vermuten lässt, und zeigt auf Deshaun Watson, der in der Gesamtbewertung QBR nur auf Rang 27 liegt, und die Browns, die 13 Punkte mehr zugelassen als erzielt haben. Jeremy Fowler traut dagegen den Bengals am meisten zu, warnt aber vor deren Laufspiel, das in der Liga auf Platz 30 liegt.

Die New York Giants: Eine Mannschaft, die sich gefunden hat

Eine der schönsten Geschichten der Saison spielt in East Rutherford. Die Giants führen unter Head Coach John Harbaugh, der sein erstes Jahr bei dem Klub absolviert, die NFC East an und gingen als Spitzenreiter in ihre Bye Week. Der Wendepunkt war ein Quarterback Wechsel: Jameis Winston wurde zugunsten von J.J. McCarthy auf die Bank gesetzt. Laut ESPN sah Offensive Coordinator Matt Nagy am selben Tag, wie Winston dem neuen Starter in einem Raum noch letzte Konzepte erklärte, und lächelte, ohne die beiden zu stören.

McCarthy zeigte beim Overtime Sieg in Houston eine saubere Leistung, und die Offense leistete sich laut Harbaugh keine Verfahrensstrafen. Running Back Cam Skattebo erlief 124 Yards, darunter einen 42 Yard Lauf in der Verlängerung, kurz nachdem er nach einem teuren Fumble in der Vorwoche weniger Einsatzzeit bekommen hatte. Er sagte, die Coaches hätten das respektvoll gehandhabt. Edge Rusher Abdul Carter hielt in der Halbzeit eine Ansprache, und Cornerback Deonte Banks neutralisierte Texans Star Nico Collins über weite Strecken.

Die Jets: Zwischen Hoffnung und Heissem Stuhl

Die New York Jets stehen bei zwei Siegen und fünf Niederlagen und sind das Sorgenkind der Liga. Trotzdem gilt Head Coach Aaron Glenn nach Einschätzung der ESPN Insider als wahrscheinlicher Kandidat, die Saison zu Ende zu coachen. Die Zahlen sind trotzdem alarmierend: Laut ESPN Reporter Rich Cimini wurden die Jets unter Glenn in den letzten zwei Minuten der ersten Halbzeit mit 107 zu 6 überspielt. Dazu kommt, dass die Offense nur auf Platz 27 liegt und Garrett Wilson öffentlich Frust gezeigt hat.

Der Plan des Klubs ist langfristig: Dank früherer Trades haben die Jets drei Erstrundenpicks im kommenden Draft, und General Manager Darren Mougey gilt als aufsteigender Verantwortlicher. Einschätzungen zufolge könnten Veränderungen, falls sie kommen, vor allem den Trainerstab betreffen.

Die Raiders, Fernando Mendoza und die Rolle von Tom Brady

Bei den Las Vegas Raiders sitzt Rookie Quarterback Fernando Mendoza vorerst auf der Bank. Laut ESPN gab es in dieser Woche keine ernsthaften Gespräche über einen Wechsel auf der Position. Das Ziel ist, ihn so lange wie möglich zu schonen, und ein Einsatz in den nächsten fünf Spielen gilt als unwahrscheinlich. Die Bye Week in Woche 13 wird als frühester realistischer Zeitpunkt für eine Entscheidung genannt.

Auffällig ist, wer hinter dieser Linie steht: Teil Eigentümer Tom Brady hat sich nach ESPN Informationen wiederholt dafür ausgesprochen, dass Rookie Quarterbacks von der Seitenlinie aus lernen sollten. Veteran Kirk Cousins führt derweil die Liga bei Touchdown Pässen an und liegt bei den Passing Yards auf Platz drei. Das Problem der Raiders liegt woanders: Nur die Green Bay Packers erlaufen im Schnitt weniger Yards. Bei einer Bilanz von drei Siegen und vier Niederlagen liegen sie anderthalb Spiele hinter einem Playoff Platz.

Zahlen und Details, über die kaum gesprochen wird

Detroits Running Back Jahmyr Gibbs kommt nach sieben Spielen auf 166 Ballkontakte, hochgerechnet auf 17 Spiele wären das 470. Das wäre der höchste Wert seit James Wilder, der 1984 auf 492 kam, und deutlich mehr als Gibbs persönliche Bestmarke von 320. Backup Sione Vaki hat bisher nur 16 Läufe. Die Green Bay Packers wiederum haben in dieser Saison bereits acht Strafen wegen Roughing the Passer kassiert, darunter zwei späte in der Niederlage gegen die Lions. Head Coach Matt LaFleur erklärte seinem Team laut ESPN, dieses Spiel sei abgehakt. Beim letzten Spiel unter der Woche hatten die Packers 14:35 gegen Atlanta verloren, diesmal setzten sie sich am Donnerstag gegen die Carolina Panthers durch.

Auch ausserhalb des Feldes gibt es Kurioses. Aaron Rodgers hatte öffentlich behauptet, eine internationale Spielwoche mit Bye Week Tausch sei bei den Tarifverhandlungen 2019 und 2020 diskutiert worden. Mehrere damals Beteiligte widersprachen laut ESPN, es habe nie eine solche Diskussion gegeben.

Sunday Ticket: Gericht belebt 4,7 Milliarden Dollar Urteil wieder

Am Freitag hob das 9th US Circuit Court of Appeals die Entscheidung eines Bezirksrichters auf, der ein Geschworenenurteil über 4,7 Milliarden Dollar gegen die NFL zwei Jahre zuvor gekippt hatte. Der Fall wurde nach Los Angeles zurückverwiesen, wo das ursprüngliche Urteil wieder eingesetzt und über die Schadenshöhe neu verhandelt wird. Der Hintergrund: Die Kläger, rund 2,4 Millionen private Abonnenten und 48000 Unternehmen, warfen der Liga vor, das Sunday Ticket Paket für Out of Market Spiele von 2011 bis 2022 durch exklusive Vergabe an DirecTV überteuert verkauft zu haben. Weil Schadenersatz im US Kartellrecht verdreifacht werden kann, hätte die Summe theoretisch auf über 14 Milliarden Dollar steigen können. Das Berufungsgericht stellte ausserdem Mängel bei der Schadensberechnung der Jury fest, weshalb die Schadenshöhe neu verhandelt wird. Beide Seiten prüfen nun ihre nächsten Schritte, die NFL verteidigt ihr Vertriebsmodell. Sunday Ticket läuft seit 2023 auf YouTube in einem Siebenjahresvertrag.

Super Bowl LXI: Jay-Z und die Rückkehr von Micah Parsons

Auch die Vorfreude auf den Super Bowl LXI nimmt Fahrt auf. Am Montagabend gaben die NFL, Apple Music und Roc Nation bekannt, dass Jay-Z die Halbzeitshow am 14. Februar 2027 im SoFi Stadium in Inglewood bei Los Angeles bestreiten wird. Es ist sein erster eigener Auftritt in der Halbzeitshow, obwohl seine Firma Roc Nation die Show seit 2020 produziert.

Sportlich blickt Green Bay auf die Rückkehr von Defensivstar Micah Parsons. Nach ESPN Informationen zielen er und die Packers auf das Spiel am Vorabend von Thanksgiving gegen die Los Angeles Rams, was auch Pro Football Talk für Woche 12 meldet.

Der Ausblick: Zehn Tage bis zur Deadline

Mit dem Spieltag am Sonntag, der unter anderem Ravens gegen Bills, Vikings gegen Lions und Eagles gegen Commanders bringt, beginnt die entscheidende Phase vor der Trade Deadline am 10. November. Die Colts haben die Tür geöffnet, die Titans haben gezeigt, dass auch Franchise Spieler zu haben sind, und Teams wie Chiefs, Browns, Jaguars und Seahawks gelten als potenzielle Käufer.

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Quellen

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